Presse

DTPPP im Radio

Ungarischer Rundfunk vom 01.10.2011

Kongress Düsseldorf vom 09.12.2010

WDR5 vom 21.09.09

ORF Interview 26.09.2008

Radio 4

Radio 3

Radio 2

Radio 1

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2014
Pressemitteilung des BDP zum Thema: Viele Flüchtlinge sind auch Folteropfer https://www.bdp-verband.de/bdp/presse/2014/09_folteropfer.html
BDP Artikel

2013

Stadtanzeiger für Hamm und Bönen, Ausgabe 06.02.2013

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12.11.2011

SZ vom 12.11.2011

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27.09.2011

„Diverstiy ist Deivse und nicht Rezept-Lernen:“
http://www.remid.de/blog/2011/10/religion-kultur-medizin-diversity-ist-die-devise-und-nicht-rezepte-lernen

Betrifft: Kongress „Schau, ich bin Ausländer“

Zeitungsartikel (derstandard.at vom 27.09.2011)

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Pressemitteilung
Alpen-Adria-Universität
6. September 2011
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Ich bin ein Wolf. Egal, was passiert, ich überlebe.  

Der Bedeutung von kulturellen Aspekten in der Psychologie geht der 5. Kongress der transkulturellen Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an der Alpen-Adria-Universität (23. – 25. September 2011) nach.

Als Bildschirmhintergrund bei vielen Handys wird er sichtbar. Für tschetschenische Jugendliche ist der Wolf eine wichtige Symbolfigur: Der Legende nach überlebte er als einziger ein furchtbares Unwetter, zwar ohne Fell, aber er überlebte. In der seit Generationen von Krieg geprägten Kultur Tschetscheniens bietet er jungen Menschen eine wichtige Identifikationsmöglichkeit. Viele, die vor Gewalt und Verfolgung flüchten konnten, kommen ohne Familie und Habseligkeiten. Ihre Stärke beziehen sie häufig aus dem Glauben, ähnlich wie der Wolf, auf alle Fälle überleben zu werden.

Dies ist nur ein Beispiel für die vielfältigen kulturellen Aspekte in der Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Psychisches Leiden wird unterschiedlich interpretiert, kommt mit unterschiedlichen Symptomen ans Tageslicht und braucht daher auch eine Behandlung, die auf Transkulturalität Rücksicht nimmt. Herwig Oberlerchner, Primarius der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikum Klagenfurt, kennt den großen Bedarf. Viele PatientInnen, die mit der Abteilung Kontakt aufnehmen, haben Migrationshintergrund. Bei freiwilligen MigrantInnen überwiegen als Kontaktgrund interkulturelle Konflikte (hier sind Kenntnisse der transkulturellen Psychiatrie erforderlich), bei unfreiwilligen MigrantInnen jedoch überwiegen die Symptome der Traumafolgeerkrankungen, was umfassende Kenntnisse im Bereich der Psychotraumatologie erfordert.

Viele dieser PatientInnen sind durch politische Verfolgung und Flucht traumatisiert und werden durch die häufig schlechte Behandlung in ihren Asylländern weiter verletzt. An diesem Punkt setzt die Forschungstätigkeit von Klaus Ottomeyer, Professor am Institut für Psychologie und Obmann des Kongresses, an. Im Forschungs- und Beratungszentrum Aspis betreut er gemeinsam mit KollegInnen traumatisierte Menschen. Für ihn ist es wichtig, in der transkulturellen Arbeit den PatientInnen etwas anzubieten, das sie aus der eigenen Kultur kennen. Nur so kann Vertrauen aufgebaut und können vorhandene Ressourcen gestärkt werden. Wichtig sind dabei die so genannten Resilienzfaktoren, die die Widerstandsfähigkeit von einzelnen Personen ausmachen: Als besonders resilient haben sich in der Forschung jene Gruppen von Menschen herausgestellt, die von starken Familienverbänden oder sozialen Netzwerken getragen sind, die sich stark an Werten – sei es aus Glauben, Politik oder Mystik – orientieren und die einen Sinn in den (traumatisierenden) Ereignissen und deren Folgen sehen können. Diese Aspekte werden stark von Kulturen geprägt.

Rückfragehinweis:
O.Univ.-Prof. Dr. Klaus Ottomeyer
+43 (0)463 2700 1632
klaus.ottomeyer@uni-klu.ac.at

Der 5. Kongress der transkulturellen Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik findet von 23. bis 25. September 2011 statt. Eingeladen sind Menschen in allen beratenden Berufen. Alle weiteren Informationen unter www.transkulturellepsychiatrie.at .

Am Freitag, 23. September findet um 19:30 Uhr eine Diskussionsrunde im Restaurant im Lakeside Park mit ExpertInnen statt, zu der insbesondere auch JournalistInnen eingeladen sind.

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30.06.2011

Betrifft: Programm des 5. Kongresses des DTPPP in Klagenfurt 2011

Programm des Kongresses in Klgenfurt 2011

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14.12.2010

Betrifft: Zum 4. Kongress des DTPPP, eine Radiosendung im Funkhaus Europa auf Bosnisch/Serbisch/Kroatisch. Das Skript

Zum 4. Kongress des DTPPP, eine Radiosendung im Funkhaus Europa auf Bosnisch/Serbisch/Kroatisch. Das Skript

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14.12.2010

Betrifft: Radiosendung im Deutschlandfunk von Martin Winkelheide: Das Skript

Wenn der Kopf erkältet ist
Psychotherapie in der Zuwanderungsgesellschaft
Von Martin Winkelheide

Den Deutschen wird, wenn sie traurig sind, das Herz schwer – Angst schlägt Franzosen auf die Leber. Kulturelle Prägungen können auch bei psychischen Erkrankungen eine Rolle spielen. In einer Zuwanderergesellschaft gilt es, diese Unterschiede zu erkennen und mit der Erkenntnis Diagnose und Therapie zu verbessern.

Die Psychotherapie über Kulturgrenzen hinweg, die transkulturelle Psychotherapie, ist eine junge Disziplin. Zu Beginn, vor etwa 20 Jahren, stand ein Unbehagen, sagt der Psychiater und Psychotherapeut Wielant Machleidt.

Mediziner und Psychotherapeuten schienen gerade bei Menschen aus der Türkei an ihre Grenzen zu stoßen:

„Es kommt zu vielen Therapieabbrüchen, es kommt zu Missverständnissen. Und da sind dann eben Reflexionen in Gang gekommen: Woran liegt denn das?“

Ein Problem: Die Krankheitszeichen richtig zu deuten. Bei Bauchschmerzen etwa, nicht allein die Organe zu untersuchen, sondern auch an seelische Probleme zu denken. Also Ursachen für Beschwerden zu finden, die sich in ungewohnten Bildern äußern. Etwa: „Ich habe mir den Kopf erkältet“.

„Ein Metapher dafür, ‚Ich bin depressiv‘. Oder ‚Meine Galle platzt‘. Dann hat jemand einen Schreck bekommen. Oder irgendetwas ist anders und ich fühle mich nicht wohl, das heißt, die Organe sind nicht mehr an dem Platz, sie sind verrückt, ver-Bindestrich-rückt, nicht verrückt.“

Kulturelle Prägungen spielen eine Rolle, sie sollten aber nicht überbetont werden, sagt der Psychotherapeut Ibrahim Özkan von der Ambulanz des Asklepios Fachklinikums Göttingen:

„Das sieht man vielleicht in der ersten Generation der angeworbenen Migranten, der sogenannten früheren Gastarbeiter vielleicht noch so, sollte dann aber gleichzeitig mit berücksichtigen, dass diese Menschen ein Medizinverständnis haben, von der Zeit, zu der sie nach Deutschland gekommen sind – vor 40 Jahren mittlerweile schon.“

Nach Ansicht von Özkan besteht die Gefahr, Patienten zu schnell in eine Schublade zu stecken und falsch zu behandeln. Ein Beispiel:

„Wenn jemand über Ängste berichtet hat, dass der Therapeut gesagt hat: Diese Frau ist schwer belastet durch ihre eigene Kultur, sie ist türkischer Herkunft, darf nicht heraus, sie fühlt sich eingeengt. Und hat das dann eher als eine depressive Störung, ängstlich depressive Störung einsortiert, und dann vielleicht auch gar nicht mehr nachgefragt, wovor sie Angst hat. Hätte er sie befragt, wovor sie Angst hat, hätte er vielleicht noch herausbekommen, dass sie Angst vor den Käfern hat, die an ihr hoch krabbeln und im Grunde auch psychotische Symptome auch dargestellt hat.“

Statt an einer Depression litt die Frau unter einer Psychose. Solche Fehldiagnosen können vermieden werden, wenn Therapeuten genau hinhören und nachfragen. Ibrahim Özkan sieht seine Zunft hier auf einem guten Weg.

„Die Sensibilität nimmt ständig zu und viel mehr Kollegen sind bemüht, gerade aus diesen Stereotypisierungen heraus zu kommen und eine adäquate, eher individuell orientierte, die Kultur akzeptierende tolerante Behandlung durchzuführen.“

Ein praktisches Hindernis für eine gute Behandlung ist oft die Sprache, sagt die Psychotherapeutin Irmgard Demirol aus Wien. Sie spricht fließend Türkisch:

„Es ist von mir sicher in Schritt, den Klienten ein Stück entgegen zu kommen.“

Ihr Motto: Psychotherapie ist nicht, wie einkaufen gehen.

„Meine Klienten formulieren das so: Auf Deutsch kann ich mich nicht erklären. Ich kann mein Inneres nicht erklären. Und genau um das geht es in der Psychotherapie. Es geht um innere Vorgänge, die sehr differenziert sind, es geht um Gefühle, es geht auch um die Reflexion dessen, was in meinem Inneren vorgeht.“

Nun wird nicht jeder Therapeut Türkisch lernen können. Aber ihrer Ansicht nach sollte es die Möglichkeit geben, einen neutralen Dolmetscher dazu zu ziehen. Eine häufige Praxis, Bekannte, Verwandte oder sogar die eigenen Kinder dolmetschen zu lassen, hält Irmgard Demirol für problematisch:

„Zum einen geht es dabei wirklich auch um sehr persönliche, sehr intime Dinge und Erfahrungen, auch Dinge, die man vielleicht nicht gerade Familienmitgliedern erzählt, Kindern erzählt, oder Freunden, Bekannten, Verwandten erzählt. Es geht ja auch um Geheimnisse in der Psychotherapie.“

Solche Geheimnisse sollten die psychotherapeutische Praxis nicht verlassen. Denn das ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung.

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30.11.2010

Betrifft: Pressemeldung zum Kongress des DTPPP in Düssedorf, Dezember 2010

Pressemeldung zum Kongress des DTPPP in Düssedorf, 9.-11. Dezember 2010

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10.11.2010

Betrifft: Leonardo – Wissenschaft und mehr,
eine Radiosendung auf WDR 5, 16:00 und 22:00
Sendedatum: 10. November 2010
Schwerpunkt: Was heißt Seele auf Kroatisch
Transkulturelle Psychotherapie
von Claudia Nonnen

Was heißt Seele auf Kroatisch? Eine Radiosendung zum Thema Transkulturelle Psychotherapie

Homepage WDR 5: Was heißt Seele auf Kroatisch?

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30.08.2010

Betrifft: Online-Bestellung einer Entspannungs-CD mit Musikuntermalung in mehreren Sprachen

Sehr geehrte Damen und Herren,

unser Transkulturelles Zentrum für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikum Wahrendorff hat zu Ihrer werten Kenntnis eine Entspannungs-CD mit Musikuntermalung in mehreren Sprachen produziert, welche zu einem geringen Kostenbeitrag vertrieben wird.

Die Bestellung funktioniert über das Internet:

Online-Bestellung einer Entspannungs-CD mit Musikuntermalung in mehreren Sprachen

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12. August 2010

Juden in Deutschland: Selbst- und Fremdbilder. Pädagogisches Begleitmaterial zur Schülerausstellung

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28. Juli 2010

Newsletter der WPS-Transcultural Psychiatry Section

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Bielefeld, den 20. Juli 2010

„Migranten sind anders krank“, www.nw-news.de (Neue Westfälische)

Migranten sind anders krank


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Hamm, den 21. Dezember 2009

Interreligiöser Gruß des DTPPP e.V.

Sehr geehrtes DTPPP-Mitglied, liebe interkulturell Interessierte,

wir blicken zurück auf ein Jahr, geprägt von unserem   –   mal mehr, mal weniger erfolgreichen   –   Bemühen um die Verständigung zwischen Kulturen und Religionen. Im kommenden Jahr erbitten wir auch weiterhin Ihre Unterstützung bei unserem nicht nachlassenden Dialog im klinischen Alltag mit Patienten verschiedener Glaubensrichtungen und Ansichten bzw. Auffassungen.

Mit freundlichen Grüßen
S. Golsabahi
1. Vors.

Interreligiöser Gruß des DTPPP e.V. zum Jahresausklang

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WDR 5 und WDR 3:
Lebenszeichen vom 22. November 2009
Verfolgt von Geistern, krank im Herzen – Psychotherapie für Muslime erfordert besondere Kenntnisse.

Radiosendung Lebenszeichen: Verfolgt von Geistern, krank im Herzen

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Interview mit dem Psychologischen Psychotherapeuten Dr. Ali Kemal Gün (Integrationsbeauftragter der LVR-Klinik Köln) zum Thema Schmerz-Angst-Depression aus transkultureller Sicht:
Interview mit Dr. Ali Kemal Gün

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Zürich, 31. August 2009

An Presse, Radio und Fernsehen 
Einladung zur Medienkonferenz

Migration und kulturelle Verflechtung –
3. Kongress der transkulturellen Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im deutschsprachigen Raum vom 11.9. – 13.9. 2009 an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich

Freitag, 11. September 2009, 13.00 Uhr
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich, Lenggstr. 31, 8008 Zürich
Raum Z 004 (ausgeschildert)

Medienkonferenz 2009: An Presse, Radio und Fernsehen

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Hamm, den 10. August 2009
Neue Homepage des DTPPP e.V. geht Online:

Liebe transkulturell Interessierte,

die neue Homepage des DTPPP e.V. zur transkulturellen Psychiatrie,
Psychotherapie und Psychosomatik im deutschsprachigen Raum ist nun unter der Adresse www.dtppp.com abrufbar.

Schauen Sie doch gleich mal rein!
Die Seite soll als Plattform genutzt werden, miteinander über die
Ländergrenzen hinweg in Kontakt zu treten, Informationen zum Thema der
transkulturellen Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik zu vermitteln.
Anregungen, weiterführende Inhalte und Ideen, die unsere Webseite lebendig
und dynamisch halten, senden Sie bitte an unser Sekretariat zu Händen von
Frau Quick unter sekretariat@dtppp.com.

An alle Beteiligten vielen Dank!
Besonders danken möchten wir Frau Quick und Herrn Angersbach, die sich mit großer Geduld und Feingespür den ständig neu aufkommenden Ideen und Vorschlägen gewidmet haben und diese umsetzten.

Es grüßen Sie im Namen des gesamten Dachverbandes
Solmaz Golsabahi und Sebastian von Peter

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Virtuelles Presse Centrum
2. Kongress der transkulturellen Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im deutschsprachigen Raum, Wien 2008


„Jede/r ist weltweit ein/e Fremde/r“

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Wer kennt transkulturelle Psychiatrie?

Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz tauschen sich Anfang September 2007 an der deutschen Universität Witten/Herdecke zu Fragen der psychiatrischen Gesundheitsversorgung der europäischen Zuwanderungsgesellschaften aus.
Wie die Universität in einer Aussendung mitteilt, nehmen am Kongress alle relevanten Forschungsgruppen der vertretenen Länder teil und die in den USA ansässige World Psychiatric Association – Transcultural Psychiatric Section unterstützt den Kongress.
„Man muss etwas von der Kultur verstehen“
Die transkulturelle Psychiatrie wurde bereits in den 70er Jahren begründet. Sie ist als Forschungsgebiet im englischsprachigen Raum bereits weit verbreitet. „Im Rahmen der psychiatrischen Betreuung von Menschen, die außerhalb unseres Kulturkreises sozialisiert wurden und der deutschen Sprache nicht mächtig sind, hilft es nicht alleine, die gesprochenen Worte zu übersetzen. Man muss etwas von der Kultur verstehen. Und das ist in der Psychiatrie eine enorme Herausforderung“, benennt Karl H. Beine, Lehrstuhlinhaber fr Psychiatrie und Psychotherapie an der Wittener Universität ein prominentes Problem innerhalb der transkulturellen Psychiatrie. Um für Migranten und Flüchtlinge eine angemessene psychiatrische Behandlung gewährleisten zu können, müssten Erkenntnisse aus dem Bereich der transkulturellen Psychiatrie täglich in der Praxis umgesetzt werden, heißt es.
Unverzichtbares Fachgebiet für die Zukunft
„Beim Kongress soll nicht die Faszination in der Beobachtung ferner Völker im Vordergrund stehen, sondern die praktische Relevanz für die tägliche Gesundheitsversorgung“, sagt Solmaz Golsabahi vom kooperierenden St. Marien-Hospital in Hamm. Die Expertin organisiert den Kongress und legt auf die Praxisnähe der Inhalte großen Wert. Daher könne eine Gesamtdarstellung der Aufgabengebiete und die umfassende Darstellung wesentlicher Zukunftsperspektiven auf dem Wittener Kongress erwartet werden. „Als Teilgebiet der Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie wird die transkulturelle Psychiatrie in Zukunft ein entscheidendes und unverzichtbares Fachgebiet sein. Deshalb ist die jetzt anstehende Zusammenkunft der Experten so wichtig“, bemerkt Golsabahi.

1. Kongress der transkulturellen Psychatrie im deutschsprachigen Raum – Von Gemeinsamkeiten und Unterschieden 6.- 9. September 2007, Universität Witten/ Herdecke, Deutschland

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Leiden der Migranten ignoriert
Versorgungsmängel: Kaum transkulturelle Psychiatrie vorhanden –
Experte: Viele, die nach Österreich kommen leiden unter mehrfachen Traumatisierungen
Leiden der Migranten ignoriert

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Kongress Witten 2007

Freitag, 28.09.2007
LifeID 12368, Kultur/ Gesellschaft ]

Wer kennt schon transkulturelle Psychiatrie? Erster gemeinsamer Kongress zum Thema „Transkulturelle Psychiatrie“ im deutschsprachigen Raum ermöglicht Überblick über das hierzulande wenig bekannte Forschungsgebiet / Kultur muss bei Behandlung berücksichtigt werden(lifepr) Witten, 17.08.2007 – 200 Experten aus Deutschland, der Schweiz und Österreich tauschen sich vom 6. bis zum 9. September 2007 an der Universität Witten/Herdecke (UWH) zu Fragen der psychiatrischen Gesundheitsversorgung unserer europäischen Zuwanderungsgesellschaften aus. Am Kongress nehmen alle relevanten Forschungsgruppen der vertretenen Länder teil. Die in den USA ansässige World Psychiatric Association – Transcultural Psychiatric Section unterstützt den Kongress und wird personell durch Herrn Dr. Ron Wintrob vertreten sein. Einige der international anerkanntesten Experten stehen den Medienvertretern am Donnerstag, 6. September, 12:00 – 13:30, im Pressegespräch Rede und Antwort.

Die transkulturelle Psychiatrie wurde bereits in den 70er Jahren begründet. Sie ist als Forschungsgebiet im englischsprachigen Raum bereits weit verbreitet. „Im Rahmen der psychiatrischen Betreuung von Menschen, die außerhalb unseres Kulturkreises sozialisiert wurden und der deutschen Sprache nicht mächtig sind, hilft es nicht alleine, die gesprochenen Worte zu übersetzen. Man muss etwas von der Kultur verstehen. Und das ist in der Psychiatrie eine enorme Herausforderung“, benennt Prof. Dr. Karl H. Beine, Lehrstuhlinhaber für Psychiatrie und Psychotherapie an der Wittener Universität, ein prominentes Problem innerhalb der transkulturellen Psychiatrie. Die Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer beträgt nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge derzeit etwa 7 Millionen. Um für diese Bevölkerungsgruppe eine angemessene psychiatrische Behandlung gewährleisten zu können, müssen Erkenntnisse aus dem Bereich der transkulturellen Psychiatrie tagtäglich in der Praxis umgesetzt werden.

„Beim Kongress soll nicht die Faszination in der Beobachtung ferner Völker im Vordergrund stehen, sondern die praktische Relevanz für die tägliche Gesundheitsversorgung“, sagt Dr. Solmaz Golsabahi vom kooperierenden St. Marien-Hospital in Hamm. Die anerkannte Expertin organisiert den Kongress und legt auf die Praxisnähe der Inhalte großen Wert. Daher kann eine eindrucksvolle Gesamtdarstellung der Aufgabengebiete und die umfassende Darstellung wesentlicher Zukunftsperspektiven auf dem Wittener Kongress erwartet werden. „Als Teilgebiet der Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie wird die transkulturelle Psychiatrie in Zukunft ein entscheidendes und unverzichtbares Fachgebiet sein. Deshalb ist die jetzt anstehende Zusammenkunft der Experten so wichtig“, bemerkt Golsabahi.

Unter den Kongressteilnehmern ist das gesamte Spektrum der im medizinischen Bereich handelnden Personen vertreten. Neben Ärzten, Psychologen und Pflegern, sind auch Vertreter der Forensik, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik anwesend. Die Veranstaltung ist von der Ärztekammer zertifiziert und kann von den Teilnehmern offiziell als Fortbildung angerechnet werden. Die Veranstaltung wird von folgenden Unternehmen freundlicherweise unterstützt: Bristol-Myers Squibb, Janssen-Cilag, AstraZeneca, Lundbeck, Pfizer und Wyeth

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Kongress zur Transkulturellen Psychiatrie
Sprache der Gefühle verstehen

Von Elif ?enel

Eine „zerstückelte Leber“, ein „erkälteter Kopf“ – die Seele liegt am Boden. Einwanderer beschreiben psychische Leiden oft anders als Deutsche. Seit Donnerstag (06.09.07) beschäftigt sich ein Kongress mit dem Thema.

Missverständnisse trotz gleicher Sprache.

Manchmal reicht es nicht, eine Sprache zu beherrschen, um sich verständlich zu machen: Klagt ein Iraner vor einem Arzt, seine „Leber sei zerstückelt“, spricht er nicht von einem körperlichen Leiden, sondern spricht von innerer Zerrissenheit. Der „erkältete Kopf“ aus dem Mund eines türkischen Patienten soll ausdrücken, dass er glaubt, den Verstand zu verlieren. Das Gefühl der Sprachlosigkeit ist eine Erfahrung, die viele Einwanderer in Deutschland machen, vor allem, wenn es um psychische Probleme geht. Auch Selim Öztürk (Name von der Redaktion geändert) musste das erleben. Die Krankenakte des Türkischstämmigen ist ein Zeugnis seiner Odyssee von einem Spezialisten zum anderen. Niemand konnte die Beschwerden des 40-jährigen Familienvaters einordnen. Monatelang klagte er, sein Herz und sein ganzer Köper sei von Schmerzen geplagt und jucke, er sei nicht in seiner Haut. Immer wieder wurde geröntgt und wurden EKGs vorgenommen – alles ohne Befund.

„Übersetzen reicht nicht aus“
„Seine Sprache war sehr beschränkt“, erklärt Solmaz Golsabahi, Ärztin in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Hamm. „Aber ich habe versucht, mich auf seine Sprache einzulassen. Wir fanden mit der Zeit heraus, dass er einige Probleme mit seinen Kindern hatte und dass er sich sehr eingeengt fühlte.“ Die junge Ärztin diagnostizierte eine depressive Erkrankung. Der Fall dieses Mannes sei keine Ausnahme, sagt Solmaz Golsabahi. Oft würden Erkrankungen viel zu spät erkannt.

Übersetzen reicht nicht aus

Patienten noch besser verstehen lernen
Viele Patienten vor allem aus dem Mittelmeerraum, dem Nahen und Fernen Osten wie Selim Öztürk, berichten Ärzten oft von körperlichen Beschwerden, auch wenn die Ursache in der Psyche liegt. „Von China bis zum Bosporus versteht man Körper und Geist als Einheit. Wenn die Seele krank ist, kann auch der Körper nicht gesund sein“, sagt Solmaz Golsabahi. Sie beruft sich auf eine Studie der WHO zu den Symptomen für Depressionen im Nahen Osten.

Danach würden proportional doppelt so häufig wie in Ländern des klassischen Abendlandes körperliche Beschwerden angegeben. „Daher ist es wichtig, die kulturellen Hintergründe einzuordnen“, betont Solmaz Golsabahi. Es reiche nicht die Beschwerden einfach ins Deutsche zu übersetzen, erklärt die Ärztin: „Wenn ein iranischer Patient sagt: ‚Mein Herz ist gebrochen, ich liege am Boden. Sie können über mich gehen‘, dann hat er kein organisches Problem oder gar Selbstmordgedanken. Es heißt zunächst einmal, dass es ihm einfach nur schlecht geht.“ Durch solche Missverständnissen käme es sogar vor, dass Patienten jahrelang mit falschen Psychopharmaka behandelt würden.

Einzug in die Praxis
Um für die Transkulturelle Psychiatrie den Blick zu schärfen organisiert Solmaz Golsabahi den ersten gemeinsamen Kongress im deutschsprachigen Raum. 200 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kommen an die Universität Witten/Herdecke. Auch Murat Ozankan ist dabei. Er ist zuständiger Oberarzt in der psychiatrischen Migrantenambulanz der Rheinischen Kliniken in Langenfeld. „Es gibt inzwischen gute Fortschritte auf dem Gebiet“, sagt er und resümiert: Anfang 2005 wurde die Migrantenambulanz für Türken in Langenfeld eröffnet. Bald darauf wurde das Personal sogar aufgestockt und das Behandlungsangebot erweitert.

Mehr als 4.000 Patienten haben seit der Eröffnung Hilfe in der Ambulanz gefunden. „Mittlerweile kommen die Patienten auch aus anderen Bundesländern. Unter ihnen sind auch viele Marokkaner und Iraner.“ Langenfeld hat inzwischen einige Nachahmer gefunden, „schließlich ist es ja ein Thema von großer gesellschaftlicher Relevanz“, bestätigt Solmaz Golsabahi. Allein die Schweiz hat einen Ausländeranteil von 20,7 Prozent, Deutschland und Östereich liegen bei 8,8 und 8,9 Prozent. Während die Referenten zum Großteil selbst so genannten Migrationshintergrund haben, stellt sie fest, dass zwei Drittel der Kongressteilnehmer keinen haben. „Man muss nicht selbst Migrant sein oder gar alle Kulturen der Welt kennen, um helfen zu können. Nur die Kunst beherrschen, sich auf eine andere Sprache und ihre Hintergründe einzulassen. Das betrifft gleichermaßen Deutsche und Nicht-Deutsche.“

An der Universität Witten/Herdecke findet vom 06. bis 09. September 2007 der erste gemeinsame Kongress im deutschsprachigen Raum zum Thema „Transkulturelle Psychiatrie“ statt.